Boykott im Flüchtlingslager

Seit dem 9. November streiken die BewohnerInnen des Flüchtlingslagers Denkendorf (bei Eichstätt). Dort weigern sich rund 20 Menschen, die ihnen zugeteilten Essenspakete anzunehmen. Nach ein paar Tagen wurden bereits 2 Leute in eine Klinik gebracht, um sie dort unter Zwang zu ernähren.
Auch hier in Augsburg, genauer gesagt in Neusäss im Flüchtlingslager in der Neusässer Straße 206 (Flakkaserne), haben sich nun vergangene Woche am Donnerstag den 18. November rund 200 Flüchtlinge diesem Streik angeschlossen und verweigern seitdem die Annahme von Essenspaketen.
Bereits am Donnerstag, den 11.11., gingen in Augsburg rund 200 Menschen auf die Straße, um den Forderungen der Flüchtlinge Nachdruck zu verleihen. Diese Demonstration stand im Rahmen der „Dirty-Thursday-Tour“, die vom Netzwerk „Deutschland Lagerland“ initiiert worden war. Im Laufe dieser Kampagne reisten die AktivistInnen durch die bayerischen Regierungsbezirke, um auf die katastrophalen Zustände zum einen konkret in den Lagern hinzuweisen, zum anderen aber auch, um die aktuelle Flüchtlingspolitik der Regierung anzuprangern. In jedem dieser Orte wollten die AktivistInnen eine Aktion durchführen, um auf das Elend der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. In Augsburg hatte man sich für eine Demonstration entschieden.
Kundgebung
Die Demonstration startete gegen 17 Uhr vor der Ausländerbehörde an der Blauen Kappe und führte durch die Anna-Straße zum Königsplatz, wo eine Zwischenkundgebung abgehalten wurde. Die Stimmung war hervorragend, Parolen und Flyer kamen zum größten Teil gut bei den Schaulustigen an. Vom Königsplatz ging es schließlich noch in die Gemeinschaftsunterkunft in der Calmbergstraße, wo es Verpflegung gab und auch eine Diskussion mit Presse und Politikern anberaumt war. Die Berichterstattung war quer durch die Bank von der Augsburger Allgemeine und anderen regionalen Zeitungen bis zu Augsburg TV angenehm positiv.
Bereits im Frühjahr hatten Augsburger Flüchtlinge in der Innenstadt demonstriert und einen Boykott durchgeführt, von den versprochenen Verbesserungen seitens der Politik spüren jedoch die Wenigsten etwas.
Aufhebungen der Residenzpflicht bleiben weiterhin ein Einzelfall, die Zustände in den Sammellagern sind immer noch katastrophal; da nutzt es auch nichts, wenn die Unterkunft in der Calmbergstraße am Tag vor der Demo und der Begehung durch Presse und Politik noch stümperhaft mit Schönheitsreparaturen und Malerarbeiten versehen wird.
Nach einem halben Jahr streiken somit wieder Flüchtlinge in den Augsburger Flüchtlingslagern gegen die
mangelhafte Lebensmittelversorgung und Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Eine zentrale Forderung ist die Auszahlung von Bargeld anstelle der Essenspakete, außerdem protestieren die Flüchtlinge gegen die
unerträglichen Wohnbedingungen im Lager.
Wir hoffen, dass durch die kreativen und anhaltenden Aktionen der Flüchtlinge und der Antira-AktivistInnen endlich etwas geschieht, damit diese Menschen endlich wirklich frei leben können.