Der erste Mai ist seit jeher ein Tag der Arbeiter. Seit Ende des 19. Jhdts. gehen weltweit Arbeiter auf die Straße, um ihre Ansichten, ihre Wut und ihre Hoffnungslosigkeit auf die Straße zu tragen. Ihre Forderungen waren größtenteils wirtschaftlicher/sozialer und eher weniger politischer Natur. Die Forderung nach sozialen Änderungen bei der Ausübung ihrer Arbeit ist immer noch vorhanden, jedoch gibt es seit längerer Zeit auch andere Forderungen bei den Aufmärschen am 1. Mai. Alle werden wohl der Ansicht sein, dass es in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft kein „Proletariat“ im ursprünglichen Sinne mehr gibt. Durch Maschinisierung, Spezialisierung – schlicht gesagt, durch technischen Fortschritt – änderte sich das Arbeitsleben der Arbeiter so gravierend, dass die Produktion in der Industrie
heutzutage fast ausschließlich maschinell betrieben wird.
Die Industriearbeiter heutzutage sind meist hochspezialisierte Arbeitskräfte und haben mit den ehemaligen Arbeitern nichts mehr gemein. Es gibt also schon lange keine breite Masse an Arbeitern mehr, die an diesem traditionellen Tag auf die Straße gehen. Der 1 Mai ist ein fast ausschließlich politischer Kampftag geworden, an dem Gruppen aller Schattierungen das Alltagsleben unsicher machen. Während sich staatstragende Parteien ein Stelldichein geben, sind extremere Gruppen auf Konfrontation aus.
Den 1. Mai sehen wir als einen der wenigen Tage, an dem nicht nur politikverdrossene Menschen durch die Stadt ziehen, sondern in den Einkaufsmeilen einmal aktiven Menschen Platz gemacht wird. Auch sehen wir diesen Aktionstag als einen der wenigen geschichtsträchtigen Tage, um noch halbwegs ungestört seine Meinung zu vertreten, was aufgrund der weiteren Einschränkung von Grundrechten immer schwieriger wird.
Wir gehen deswegen auch dieses Jahr wieder auf die Straße, um die Missstände dieses Systems anzuprangern.