Die/Der Berufsdemonstrant/in

Tätigkeit im Überblick

Berufsdemonstranten, auch gewaltbereite Chaoten oder Autonome genannt, kommen überall dort zum Einsatz, wo mit einem vermehrten Auftreten der Polizei zu rechnen ist. Üblicherweise handelt es sich hierbei um, wie es der Name schon sagt, Demonstrationen verschiedenster Couleur. Sei es im antifaschistischen Bereich, die Globalisierung betreffend, gegen AKW´s eintretend oder sich für den Umweltschutz engagierend, die Tätigkeitsbereiche sind vielfältig und bieten der/dem ambitionierten Berufsdemonstranten/in nach abgeschlossener Berufsausbildung eine Menge Möglichkeiten, sich für das weitere Berufsleben zu spezialisieren und entsprechend weiterzubilden.

Ausbildung

Die Dauer der Lehrzeit bestimmt der/die Azubi hier selbst. Zunächst ist es wohl noch wichtig zu betonen, dass diese Ausbildung einen großen Tribut ihres Lehrlings an persönlicher Motivation, körperlichem Einsatz und einen unerschütterlichen Glauben an die eigene Ideologie erfordert. Für den Beginn der Lehre selbst ist ein staatlich anerkannter Schulabschluss nicht unbedingt vonnöten. Erfreulicherweise ist der Azubi hier nicht gezwungen ein Betriebsheft zu führen (das erledigt die Staatsanwaltschaft, dazu später), oder schriftliche Prüfungen abzulegen. Ebenso ist der Besuch einer Berufsschule nicht erforderlich. Der Lehrling eignet sich seine Kenntnisse zu 80% in der praktischen Ausübung seines Berufes an. Die restlichen 20% spielen sich auf Polizeiwachen, in Arrestzellen und Gerichtsälen ab.
Das einzig Vergleichbare zu herkömmlichen Prüfungen, das sich jede/r Azubi aneignen sollte, um die schöne Bezeichnung Berufsdemonstrant/in führen zu dürfen, sind eine von der Staatsanwaltschaft festgelegte Anzahl ausgewählter Anzeitgen, die mensch sich ohne größere Mühe auf jeder Demo besorgen kann. Es empfiehlt sich nur zwischen dem Sammeln von Anzeigen ausreichend Zeit verstreichen zu lassen, da es sonst sein kann, dass die Höhe der Ausbildungskosten (die man natürlich selbst trägt) schmerzhafte Ausmaße erreicht. Oder mensch seinem weiteren Lehrweg nicht mehr wunschgemäß folgen kann, da man über kurz oder lang die Freuden des Strafvollzugs kennen lernen darf. Das kann den fleißigen Lehrling für einige Zeit aus dem Verkehr ziehen. Für diesen Zeitraum stockt natürlich die Ausbildung.
Was nun diese oben genannten Anzeigen angeht sind hier die beliebtesten im Folgenden aufgeführt:

Beamtenbeleidigung oder Beleidigung eines ausländischen Staatsgastes (mensch kann fast sagen die Lieblingsanzeige unserer Gesetzeshüter, beinahe immer in Kombination mit dem folgenden Beispiel)

Widerstand gegen die Staatsgewalt (geht schon damit los, bei der Verhaftung den Kopf in die falsche Richtung zu drehen, kostet also keine große Mühe sie zu erhalten)

Körperverletzung (je nachdem mit wie viel Enthusiasmus mensch bei der Sache ist, können verschiedene Härtegrade erzielt werden, z.B. leicht, schwer oder gefährlich)

Vermummung (die Schwere dieses Vergehens ist nun wirklich unbestritten)

Versuchte Gefangenenbefreiung (kommt auch gerne und immer wieder zur Anwendung)

Geldstrafen (kann unterschiedlich hoch ausfallen. Je nachdem mit welcher Begeisterung der jeweilige Lehrling seinen Ausbildungsweg verfolgt.)

Wie gesagt wurde hier nur ein kleiner Auszug der möglichen Voraussetzungen behandelt. Man hat natürlich noch eine ganze Menge mehr Möglichkeiten, sich „Ärger“ einzuhandeln. Das bleibt dann jeder/m selbst überlassen.

Allgemeine Arbeitsbedingungen

Hier muss noch viel getan werden. Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten, dass sich die „Rechte der Arbeiter“ auf vorsintflutlichem Niveau bewegen.
Was nun die Vergütung angeht, so sollte sich die/der angehende Berufsdemonstrant/in nicht der Illusion hingeben, sie/er könnte von diesem Job leben. Das kann mensch nicht. Dies gilt ebenso für geregelte Arbeitszeiten. Nix mit Ein- und Ausstempeln und einer ordentlichen Abrechnung am Ende eines jeden Monats. Mit dem Tragen von Schutzkleidung sieht es ebenfalls nicht besonders rosig aus. In nahezu jeder Berufsgruppe haben die Beschäftigten ein Anrecht auf eine angemessene Schutzkleidung am Arbeitsplatz. Zieht sich z.B. ein Bäcker Handschuhe an, bevor er die Brötchen aus dem Ofen holt, wird ihm das wohl eher selten als passive Bewaffnung angerechnet. Zieht sich ein/e Berufsdemonstrant/in dagegen Arm- oder Beinschoner über, um sich vielleicht vor eventuellem Schlagstockeinsatz (was ja dann und wann schon einmal vorgekommen sein soll), seitens unserer lieben Polizei zu schützen ist das verwerflich. Soweit in etwa die Arbeitsbedingungen. Wie gesagt, eine gesunde Portion Idealismus schadet nicht.

Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen

Da wäre wohl in erster Linie die Polizei zu nennen. Vorsichtig ausgedrückt handelt es sich hier um sagen wir mal, gegensätzliche Interessengruppen. Und Zusammenarbeit ist vielleicht nicht ganz die treffende Bezeichnung. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass die Beziehung zwischen „Bulle“ und „gewaltbereitem Chaoten“ von einer gewissen Feindseligkeit geprägt ist. Liegt vermutlich in der Natur der Sache. Um in der Ausbildung voranzukommen, braucht die/der motivierte Azubi diesen Gegenspieler. Nur so kommt sie/er praktisch zu seinen Anzeigen und damit seinem Ziel näher.

Arbeitsschwerpunkte und nützliche Fähigkeiten bzw. Kenntnisse

Eine wichtige Voraussetzung ist die Fähigkeit zur Teamarbeit. Ein Einzelkämpferdasein dürfte sich spätestens dann als schwierig gestalten, wenn es darum geht Transparente hochzuhalten, die länger als 50 cm sind. Ebenso ist es von Vorteil, wenn die Parolen, sofern sie gehört werden sollen, nicht nur aus einer Kehle kommen. Es ist auch sicher nicht einfach alleine Ketten bilden zu wollen. Abgesehen davon wäre eine gewisse Geschicklichkeit zur Zielgenauigkeit, kombiniert mit einer guten Weitwurftechnik sicher nicht von Nachteil. Was dann letztendlich geworfen wird, bleibt dann der Phantasie des Lehrlings überlassen. Es ist aber auf alle Fälle eine reichhaltige Auswahl vorhanden, da mensch im Prinzip alles im hohen Bogen durch die Luft befördern kann, was leicht genug ist.
Weitere wünschenswerte Kenntnisse wären hier noch die Fähigkeit zur Blockade, sprich Barrikadenbau. Das, was mensch nicht werfen kann, weil zu schwer, lässt sich dann ganz sicher vorzüglich für die letztgenannte Beschäftigung verwenden. Generell würde auch hier eine gewisse Affinität zu Feuer nicht stören. Ein kleines Feuerchen macht Stimmung. Auf beiden Seiten.
Im Großen und Ganzen war das nun ein kurzer Blick in den Alltag einer/s Berufsdemonstranten/in. Wer sich nun angesprochen fühlt, oder sich schon dafür entschieden hat, den Weg einer/s solchen einzuschlagen, kann im Prinzip jederzeit und sofort mit der Ausbildung beginnen. Es geht nur darum, sich eine entsprechende Demo rauszusuchen und schon kann es losgehen. Viel Spaß!