… gibt es in vielerlei Hinsicht. Physische, psychische, gegen Personen oder gegen Sachen.
Jede/r Anarchist/in vertritt die Vorstellung von einer komplett gewaltfreien Welt, in der sich jeder Mensch frei entfalten kann.
Somit müssten wir Gewalt also grundsätzlich ablehnen, da die Anwendung von Gewalt gegen unsere Prinzipien verstößt.
Gewalt ist das Mittel, auf den sich der herrschende Staat gründet. Nur durch permanente Anwendung von Gewalt auf etwaige „Systemfeinde“ kann sich das System in seiner jetzigen Form erhalten. Der übergroße Teil der Menschen findet sich mit diesem System und seiner Gewalt ab, unterwirft sich oder wird unterworfen. Ein anderer Teil wendet eben diese Gewalt an, um ihre Vorstellung des Systems durchzusetzen. Zu diesem gewaltanwendenden Teil zählt in erster Linie der Staatsschutz und all seine Auswüchse, zum anderen ist es die Wirtschaft/Kapitalismus, die/der die Menschen unterdrückt und ausbeutet. Ohne Exekutive und Kapitalismus wäre der Staat nichts, ohne Staat wäre logischerweise die Exekutive nicht und der Kapitalismus ebensowenig.
Warum kann sich ein System durch Gewalt an der Macht halten?
In der heutigen Gesellschaft lebt der Mensch – scheinbar – in einer heilen Welt. Ab und zu darf er sich mal aufregen, mal darf er streiken, aber im wesentlichen ist mensch doch froh, wenn alles ruhig ist. Dieses Friede-Freude-Eierkuchen-Prinzip hält das System durch seine Machtmittel, unter anderem die Medien, aufrecht. Dem Menschen wird also eine heile Welt vorgegaukelt. Die Medienkontrolle ist somit auch eine Form der Gewalt.
Wir werden also alltäglich mit der staatlichen Gewalt konfrontiert. Wie oben schon erwähnt, muss sich die/der Anarchist/in mit seinem/ihrem Gewissen auseinandersetzen, ob und inwieweit Gewaltanwendung vertretbar ist, da die anarchistische Utopie von völliger Gewaltlosigkeit ausgeht.
Die Frage ist auch, ob Gewaltlosigkeit erst in der Anarchie existieren kann oder ob der Weg zur Anarchie auch vollkommen gewaltlos sein kann. Denn die einzige Sprache, die der Staat und seine Organe verstehen, ist die der Gewalt. Gewaltloser Widerstand hatte historisch gesehen – bis auf wenige Ausnahmen – wenig Erfolg. Wir wollen damit gewaltlose Aktivitäten jedoch nicht verurteilen.
Uns ist klar, dass in der idealen Anarchie keinerlei Gewalt ausgeübt wird und werden darf – weder an Personen noch an Dingen – da dies falsch und außerdem unnötig wäre.
Wir sehen die Gewalt jedoch als ein notwendiges Mittel, um die aktuellen Zustände endgültig zu überwinden.

„Also wird die Gewalt entscheiden, bis die Vernunft so viele Köpfe erleuchtet, daß die Gewalt entwaffnet wird.“
Voltaire, (1694 – 1778), französischer Philosoph der Aufklärung